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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Halbtagsgrundschule, 1. Preis

Fridtjof-Nansen-Schule, Hannover

Trotz der wärmenden Sonne wirkt die Wohngegend in Hannovers Stadtteil Vahrenheide an diesem Frühlingsmorgen grau und trostlos. Umringt von Mehrfamilienhäusern und Hochhauskomplexen aus den 60er und 70er Jahren liegt die Fridtjof-Nansen-Schule. Für großzügige Grünflächen oder Spielplätze lässt das eng bebaute Stadtgebiet keinen Platz. Die bunt bemalten Fenster der Fridtjof-Nansen-Schule sind der einzige Farbklecks, der dem Vorübergehenden unwillkürlich auffällt. Und im Foyer der Schule herrscht unerwartetes munteres Treiben.

Elterncafé als Integrationsmotor

Wie an jedem Tag ist das Elterncafé der Fridtjof-Nansen-Schule bereits am frühen Morgen gut besucht. An allen Tischen werden angeregte Gespräche geführt. Die Mütter, die an der Fridtjof-Nansen-Schule einen Deutsch-Kurs besuchen, üben noch schnell gemeinsam die Vokabeln der letzten Unterrichtsstunde, bevor es ins Klassenzimmer der Elternklasse geht. Mütter oder Väter, die gerade ihre Kinder zur Schule gebracht haben, schauen kurz im Café vorbei – bei Tee oder Kaffee kommt man schnell mit anderen Eltern oder Lehrerinnen und Lehrern ins Gespräch.
Hinter dem Tresen schneiden einige Mütter Paprika, Gurken und Äpfel zurecht. Andere rühren Quark mit frischen Kräutern an oder fertigen einen Joghurt-Dip. Darauf warten einige ungeduldige Kinder bereits, denn anschließend wird das gesunde Frühstück in allen Klassen verteilt. Für die Kinder ist auf diese Weise eine notwendige Pausenverpflegung gesichert, denn manche Mädchen und Jungen kommen ohne Frühstück oder Pausenbrote in den Unterricht. Das Elterncafé ist Frühstücksvorbereitungsküche, Anlaufstelle für Probleme und Sorgen, Treffpunkt für alle Mütter und Väter und eine nicht versiegende Quelle an Ideen für weitere gesundheitsfördernde Aktivitäten und Projekte der Fridtjof-Nansen-Schule. Denn nicht zuletzt ist die eine oder andere Idee für das Schulfest zum Ramadan oder das Fußballturnier Eltern gegen Kinder bei einem Gespräch und einer Tasse süßaromatischem Tee entstanden.

Lehrergesundheit und der haltende Rahmen

Ein gesundes und gutes Arbeitsumfeld auch für die Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen ist der besondere Anspruch der Fridtjof-Nansen-Schule. „Nur wer mit sich selbst gesundheitsbewusst umgeht, kann dies den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern glaubhaft vermitteln. An dieser Schule gibt es durch die Präambel einen haltenden Rahmen unter den Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern und den Eltern“, betont Grundschullehrer Karsten Heilmann.
Die Leiterin des Schwerpunkts Gesundheitsförderung bildet sich regelmäßig fort. Ihr Wissen teilt sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen und reicht interessantes Informationsmaterial an das Kollegium weiter. Einen regen Informationsaustausch unterhält die Fridtjof-Nansen-Schule mit der Landesvereinigung Gesundheit, dem Gesundheitsamt sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft für Bewegungs- und Haltungsförderung in Wiesbaden. In gemeinsamen Beratungsrunden reflektiert das Lehrerkollegium sein berufliches Handeln und entwirft Strategien zur Verbesserung. Die Lehrerinnen und Lehrer besuchen regelmäßig Fortbildungen und Vorträge zu den Themen Ergonomie und Bewegter Unterricht, veranstaltet von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden. Zusätzliche schulinterne Fortbildungen zum Thema Bewegungsspiele und Sport- und Spielfeste liefern den Lehrkräften stetig neue Impulse für Bewegungspausen und sorgen für einen regen Ideenaustausch über gesundheitsfördernde Rhythmisierungsmöglichkeiten. Einige Lehrerinnen und Lehrer der Fridtjof-Nansen-Schule leiten externe Fortbildungen und geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen an andere Schulen weiter.
Mit einem reichhaltigen Frühstück versorgt, gehen die Kinder in den Unterricht: Lisa steht auf dem Schultisch, sie überragt nur knapp den zwei Meter langen Zollstock, den ihre Mitschülerin Melissa hält. Aus genau diesen zwei Metern Höhe soll sie ein rohes Ei auf den Boden fallen lassen, das die Kinder zuvor gemeinsam mit Strohhalmen und Klebestreifen so verpackt haben, dass es den Fall aus zwei Metern Höhe heil übersteht. In kleinen Gruppen entwickeln die Schülerinnen und Schüler ganz verschiedene Methoden für ihre Eierverpackung. Keiner arbeitet allein, keiner bestimmt für die anderen, alle Entscheidungen werden gemeinsam gefällt. Die Lernziele sind vielfältig: Schwerkraft kennenlernen, soziale Kompetenz stärken, nur nicht still herumsitzen.

grünes Plakat zum "Frauen Fußball in der Fridtjof-Nansen-Schule" an einer Ziegelsteinwand

Bewegte Schule

Bewegung ist an der Fridtjof-Nansen-Grundschule das Ein und Alles. „Die Schülerinnen und Schüler müssen nicht steif herumsitzen, sie können im Liegen oder Stehen lernen“, sagt Karsten Heilmann und schaut aus dem Fenster: Auf dem Schulhof übt der Kontaktbeamte der Polizei auf einen Mobilitätsparcours mit Schülerinnen und Schülern das Fahrradfahren. Überall auf den Gängen der Fridtjof-Nansen-Grundschule sind Matten ausgelegt, von den Decken hängen Seile, aber auch kleine Kletteranlagen sind an Wänden und Decken installiert. Auf dem Weg zum Klassenzimmer einen Sprung an die Sprossenwand wagen, sich wie ein Bärenkind auf der Matte kugeln oder einmal fest das Seil greifen und in Gedanken durch das Dschungeldickicht schwingen – dies alles sind gewollte alltägliche Bewegungsverführungen an der Fridtjof-Nansen-Schule, auch außerhalb des regelmäßigen Sportunterrichts.
Die Schule in Bewegung bringen – das bedeutet an der Fridtjof-Nansen-Schule getreu dem Schulprogramm „Bewegte Schule – Schule als lernendes System im Stadtteil“, nachhaltige Veränderungen und verbesserte Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen – Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und natürlich die Eltern profitieren von diesem ganzheitlichen Ansatz der Gesundheitsförderung. Auch das großzügige Pausengelände lädt zum täglichen Bewegungsabenteuer ein. Eine große Granitstehle fordert zum mutigen Sprung in den Sand heraus. Und das fünf Meter hohe Klettergerüst, das aussieht, als hätte jemand beim Fallenlassen überdimensionierter Mikadostäbe die Zeit angehalten, ist ein beliebter Treffpunkt für alle Kinder, die begeistert klettern und hangeln. Manche Kinder versammeln sich am liebsten am Wasserlauf einer Pumpe, um dort einen Mini-Staudamm zu bauen oder im Sommer barfuß durch den Matsch zu hüpfen. Bewegung in den gesamten Schulalltag zu integrieren ist das erklärte Ziel der Fridtjof-Nansen-Schule. „Die Bewegung ist die größte Triebfeder für Kinder, sie wirkt wie ein Entwicklungsbeschleuniger“, erklärt Schulleiter Hermann Städtler. Für ihn bedeutet das selbstverständlich auch, dass er seinen Unterricht beweglich gestaltet. Wenn Miguel das Alphabet nicht an seinem ergonomisch geformten Schreibtisch sitzend üben möchte, legt er sich dazu einfach auf die weiche Matte, die im Klassenzimmer einen festen Platz hat. Alle Schülerinnen und Schüler haben auch während des Unterrichts die Möglichkeit, eine kleine Verschnaufpause einzulegen – mit Bewegung natürlich.
Eine große grüne Sanduhr zeigt Abdullah genau an, wie lange er in seiner selbstgewählten Pause noch mit den bunten Gummibällen jonglieren darf. Diese einminütige Auszeit ist von den Kindern selbstgesteuert und hilft ihnen, neue Energie zu tanken. Sollte einmal die gesamte Klasse eine Auszeit vom Lernen benötigen, dann besuchen die Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit den Kindern die Bewegungsstation, die sich auf dem Pausenhof befindet. Dort gibt es die verschiedensten Spielgeräte zur Ausleihe. Die Bewegungsstation ist auch in den Pausenzeiten für alle Kinder geöffnet.

Streitigkeiten wegklettern

Hinter der Tür im Deeskalationszimmer verbirgt sich ein besonderes Klettergerät, das bei Streitereien und Konflikten unter Schülerinnen und Schülern wahre Wunder vollbringt: eine Acryl-Kletterwand. Schon seit einigen Tagen reden Anisa und Erda nicht mehr miteinander, sie haben sich gestritten. Nun stehen sich beide Mädchen an der Acryl-Kletterwand gegenüber und wollen einander nicht mal in die Augen schauen. Ihr Lehrer bittet nun beide Schülerinnen, die durchsichtige Kletterwand zu besteigen und erklärt die wichtigste Regel: Beide müssen sich in die gleiche Richtung bewegen. Nach einigen Minuten gibt es schon den ersten zufälligen Blickkontakt zwischen den Mädchen. Nach einiger Zeit lassen die Kinder immer mehr zu. Auch zufällige Berührungen beim Griff an die obere Begrenzung der Kletterwand entspannen die Situation zusehends. Schließlich habe beide Mädchen das Ende der Kletterwand erreicht. Die entspannte Stimmung der Kinder lässt nun ein Gespräch über ihren Streit zu, so dass sie bald wieder gemeinsam spielen können. Manchmal müssen die Streitpartnerinnen und -partner mehrere Übungseinheiten an der Acryl-Wand klettern. Dann fotografieren der Lehrer oder die Lehrerin die Kletterübung, und die Kinder staunen anschließend, wenn sie die Bilder betrachten, wie nah sie die Kletterwand zueinander geführt hat. Impulse und Strategien im Bereich der Konfliktlösung erhalten die Lehrerinnen und Lehrer in schulinternen Veranstaltungen, geleitet von einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin.

Ideen, Innovationen, Initiative

Solch innovative Bewegungsgeräte sind an der Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover zahlreich zu finden. Das Besondere: Die Acryl-Kletterwand oder das hohe Klettergerüst auf dem Pausenhof sind aus eigenen Ideen und Konzepten der Schule entstanden. Und auch die vielseitig herausfordernden Geräte der Bewegungslandschaft, die wöchentlich in der großen Turnhalle aufgebaut wird, sind Entwürfe der Grundschule. Geschwungene, schmale oder bewegliche Holzbänke gehören ebenso dazu wie die kleinen Seilbrücken. Manche davon sind mit Massage-Noppen ausgestattet, denn alle Schülerinnen und Schüler erleben den Bewegungsparcours barfuß. Die Fridtjof-Nansen-Schule hat nach intensiver Suche zuverlässige Firmen und Partner für den Bau der von ihnen entwickelten Bewegungsgeräte gefunden. Die Kooperationsunternehmen bauen nach den Entwürfen der Schule, ohne finanzielle Forderungen zu stellen. Die Grundschule tritt den Firmen im Gegenzug ihre Lizenz an den entworfenen Bewegungsgeräten ab und erhält die gebauten Prototypen zur schulinternen Verwendung.
Das gesamte Schulkollegium um Schulleiter Hermann Städtler geht mit viel Leidenschaft und Engagement an die tägliche Arbeit, zum Wohle der Mädchen und Jungen, die die Fridtjof-Nansen-Schule besuchen. In den Startlöchern steht auch schon eine neue Idee, die dem gesamten Stadtteil zugute kommen soll. Die Kolleginnen und Kollegen der Grundschule planen, die Bewegungslandschaft in der großen Turnhalle auch am Wochenende zu öffnen. Sie kann dann auch von den Seniorinnen und Senioren des Stadtteils genutzt werden. Alt und Jung gemeinsam in Bewegung zu bringen ist das neue Ziel der Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover.

Fridtjof-Nansen-Schule, Hannover
Schulleitung: Hermann Städtler
Adresse: Leipziger Straße 38, 30179 Hannover
E-Mail: h.staedtler@web.de
Telefon: 0511 168-40499
Schüler: 313


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