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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Gebundene Ganztagsschule, 2. Preis

Ganztagsgrundschule Franzosenkoppel, Hamburg

„Ich bin gut zu mir. Ich bin gut zu anderen. Ich bin gut zu Dingen.“ Diesen drei Grundsätzen hat sich die Ganztagsgrundschule Franzosenkoppel in Hamburg verpflichtet. Und es wird deutlich, dass alle am Schulleben Beteiligten dieses Schulethos auch zu leben versuchen. Besonders das Thema Prävention durch soziales Engagement wird hier großgeschrieben.

Die Ganztagsgrundschule Franzosenkoppel liegt am nordwestlichen Hamburger Stadtrand im Stadtteil Lurup. Ein Umfeld, das durch ein Spannungsfeld großer sozialer Heterogenität gekennzeichnet ist. Neben Einfamilienhäusern finden sich hier große Wohnkomplexe mit Mehrfamilienhäusern und Sozialwohnungen, darunter Wohnquartiere, die von Arbeitslosigkeit, Armut und einer Alkohol- und Drogenproblematik beherrscht werden – laut Schulleitung eine besondere Mischung, die allerdings auch nicht undifferenziert als sozialer Brennpunkt beschrieben werden kann.
Viele der Schülerinnen und Schüler der Ganztagsschule Franzosenkoppel leben jedoch in instabilen Familienstrukturen. Und der Anteil der Kinder aus Migranten-Familien liegt nach Angaben der Schule zur Zeit bei 50 Prozent. Sie stammen aus über 20 verschiedenen Nationen. Die größte Gruppe kommt aus dem türkischen Raum, gefolgt von russischen und polnischen Aussiedlerfamilien.

Frühzeitige Förderung ist effektiver

Die Kinder starten ihre Schullaufbahn mit äußerst unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich ihrer Lernfähigkeit, Sprach- und Sozialkompetenzen. Eine große Herausforderung für die Schule, der sie sich erfolgreich stellt: Die besondere Stärke der Ganztagsgrundschule Franzosenkoppel zeigt sich in der Umsetzung des Schwerpunkts Psychosoziale Gesundheit. Auch die Förderung des Gesundheitsbewusstseins der Schülerinnen und Schüler wird hier sehr ernst genommen. In allen Klassen finden sich nämlich vermehrt Kinder mit Übergewicht und grob- und feinmotorischen Störungen. Daher sind neben der psychosozialen Ausprägung auch gesunde Ernährung und Bewegungsförderung zentrale Aspekte des Schulprogramms.

Der Schulleiterin Marion Lindner liegt es besonders am Herzen, so früh wie möglich mit der Förderung der Kinder anzufangen und die Familien einzubeziehen. Familien nichtdeutscher Herkunft erhalten im Kurs „family literacy“ die Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse zu erweitern und das deutsche Bildungssystem kennenzulernen. Hierzu werden speziell Eltern von Vorschülern und Erstklässern eingeladen. Um bei Problemen möglichst frühzeitig gegensteuern zu können und alle Eltern zu sensibilisieren, bietet die Schule einen Schulschnuppertag an. Dazu werden Kinder ein halbes Jahr vor der Einschulung zum Schnupperunterricht in die Schule eingeladen. Die dabei beobachteten Defizite und Probleme werden mit Empfehlungen an die Eltern herangetragen, die allerdings oft Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben. Im Kurs „WILI“ (Wir lernen gemeinsam) diskutieren Eltern unter fachkompetenter Begleitung Erziehungsprobleme. Im Mai wurde das Elterncafé eröffnet, das zunächst einmal wöchentlich zum informellen Austausch einlädt, aber auf Nachfrage auch Beratung durch Fachkräfte anbietet.

Hausbesuche bei den Eltern

Um die Situation der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu verbessern, darf der einmal aufgebaute Kontakt zu den Eltern nicht abreißen. Im Rahmen des Sozialtherapeutischen Projekts praktiziert die Schule eine aufsuchende Elternarbeit: Durch regelmäßige Hausbesuche soll die Distanz mancher Eltern zur Schule abgebaut und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen werden, die in erster Linie den Kindern zugute kommt. Dabei werden die Eltern der Ganztagsschule Franzosenkoppel nicht belehrt, sondern partnerschaftlich einbezogen. Die Kinder- und Jugendlichentherapeutin Anne Hauschild, die in der Schule als Beratungslehrerin tätig ist, bemüht sich darum, mit den Eltern „Augenhöhe herzustellen und die Hierarchien flach zu halten“. Das Team des Sozialtherapeutischen Projekts besteht aus Therapeuten und Therapeutinnen, Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Erzieherinnen und Erziehern. Die Hausbesuche bieten ihnen die Möglichkeit, weiteren Handlungsbedarf durch Beobachtungen in den Familien festzustellen und zeitnah Hilfestellung für Kinder und gestresste Eltern zu leisten. Zum Beispiel ergreifen sie bei beengten Wohnsituationen die Initiative, indem sie bei der Wohnungssuche helfen, oder gehen mit zum Einkaufen, um auf gesunde und nahrhafte Lebensmittel hinzuweisen. Die Schule sieht sich hier mit einer zunehmenden Erziehungsaufgabe gegenüber den Eltern konfrontiert und nimmt diese ernst.

Ein Erwachsener sitzt mit mehreren Kindern auf einer blauen Couch und liest ihnen ein Buch vor.

Aktives Engagement der Eltern

Eine aktive Einbindung der Eltern in das Schulleben erfolgt durch die Honorartätigkeit einiger Eltern bei den Nachmittags-Kursen in der AG-Betreuung bzw. Kursleitung, zum Beispiel im „KinderKunstKlub“. Auch bei Projekten, Festen und Ausflügen zu außerschulischen Lernorten engagieren sich viele Eltern. Und bei der Schulhofgestaltung haben die Eltern tatkräftig mitgewirkt. Ergänzend gibt es an der Schule die klassischen Elemente der Elternarbeit wie Elternabende, Elternrat sowie Informationsbriefe. Leider erzielen diese Informationsbriefe nicht immer den gewünschten Effekt, da die Vielzahl der Nationen einhergeht mit Sprachbarrieren und -grenzen. Dazu die Schulleiterin: „Wir brauchen oft Übersetzungen.“ Die Resonanz und Einbindung der Elternschaft in das Schulleben und bei Schulfesten oder bei der Schulhofgestaltung mittels direkter und persönlicher Ansprache funktioniert deutlich besser. Die Mutter und AG-Betreuerin Uta Langfeld freut sich darüber, dass sowohl die Schulleitung als auch die engagierte Lehrerschaft offen seien für Ideen und Anregungen und die Mitarbeit der Eltern dankbar annehmen: „Das Entscheidende ist: Ich werde eingeladen, mich hier einzubringen.“

Intensive Stadtteilarbeit und gute Vernetzung

Besonders intensiv bemüht sich die Schule um die Zusammenarbeit mit Initiativen im Stadtteil. Die Vernetzung mit Kooperationspartnern schafft ein positives und kreatives Klima. Die Schule versucht aktiv, das soziale Umfeld der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Als Beispiel nennt Marion Lindner die Schwimminitiative der Schule, aus der ein Bestreben des gesamten Stadtteils hervorging, das örtliche Schwimmbad als Lehrschwimmbecken zu erhalten.
Die Schule arbeitet im Schwerpunkt Psychosoziale Gesundheit mit zahlreichen sozialen Einrichtungen des Stadtteils zusammen: Mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst, der Erziehungsberatung, dem Kinder- und Familienzentrum und der Schulärztlichen Dienststelle. Partnerschaften und Kooperationen für Projekte und Maßnahmen bestehen mit der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V., dem Lesekulturcafé im Stadtteilhaus, dem Spielhaus Fahrenort, der Waldschule Klövensteen, dem Sportverein Lurup, dem Sozialraumteam, Connect und einigen Krankenkassen. Neben Fortbildungen am Institut für Lehrerbildung besprechen die Lehrkräfte schwierige Fälle mit der Regionalen Beratungs- und Unterstützungsstelle der Stadt Hamburg und entwickeln auf Konferenzen Konzepte zur Verbesserung des sozialen Miteinanders.

Zwei Kinder sitzen im Klassenzimmer an einem Tisch und schneiden Gemüse.

Erstmal in Ruhe frühstücken

Das gemeinsame Frühstück sowie das angebotene Mittagessen leisten einen grundlegenden Beitrag für eine gesündere Ernährung der Schülerinnen und Schüler. Das Frühstück wird gemeinsam im jeweiligen Klassenverband eingenommen. Um den Kindern ausreichend Zeit zum Frühstücken zu ermöglichen und eine optimale Pausennutzung zum Spielen und Bewegen zu gewährleisten, wird die Frühstückszeit im Klassenraum zusätzlich zur Unterrichtspause eingeplant. Die Kinder seien sehr auf die Frühstückszeit bedacht und hätten den Wert gesunder Ernährung bereits verinnerlicht, so Marion Lindner: „Kinder genießen die Frühstückszeit und lieben die Ruhe.“ Auch teilen die Kinder ihre gesunde Pausenverpflegung untereinander. Die Teilnahme am teilweise vollwertigen Mittagessen ist den Kindern freigestellt, wird jedoch von über 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler regelmäßig genutzt. Im Wahlkochkurs „Küchenprofi – Selber kochen“ werden wöchentlich Aspekte einer gesunden Ernährung und der Umgang mit Küchengeräten vermittelt.
Mindestens einmal im Jahr beteiligen sich alle Klassen an Projekten zum Thema Ernährung. Im Mai 2008 hat zum Beispiel die Projektwoche „Gesundes Trinken“ stattgefunden. Regelmäßig besuchen die Lehrerinnen und Lehrer beim Landesinstitut für Lehrerbildungen Fortbildungsveranstaltungen. Anregungen und Ideen für den Sachunterricht zum Thema Ernährung erhalten die Lehrkräfte u.a. von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft zur Gesundheitserziehung.

Bewegungslandschaft und Pippi-Langstrumpf-Pfad

Im verpflichtenden Unterricht, im Kursangebot am Nachmittag und in den Pausen werden den Kindern vielfältige Bewegungsanreize geboten. Die Bewegungszeit wird durch Spaß und Spiel im Niedrigseilgarten und auf dem Pippi-Langstrumpf-Pfad effektiv erhöht. Für eine aktive Pause stehen in der Außenanlage neben fest installierten Bewegungselementen wie Strickleiter, Balanciergeräten und der Kletterwand verschiedene Spielgeräte zum Ausleihen bereit. Eine Anleitung zur aktiven Freizeitgestaltung wird den Kindern auch durch das differenzierte Kursangebot ermöglicht: Tischtennis, Kindertanzen, Cheerleading und Ballspiele bieten reichlich Sport und Spielspaß. Um bei allen Kindern die Psychomotorik zu schulen, wird außerdem jeden Dienstag eine Bewegungslandschaft in der Turnhalle aufgebaut. Jede Klasse nutzt diesen Bewegungsparcours für mindestens eine Stunde.
Impulse für die Bewegungslandschaft und weitere bewegungsfördernde Angebote erhalten die Lehrkräfte durch Informationsmaterial vom Landesinstitut für Lehrerbildung und der Veranstaltungsreihe „Psychomotorikangebote in der Schule“ der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft zur Gesundheitsförderung.
Zusätzliche Hilfe und Unterstützung finden die Lehrerinnen und Lehrer bei einer Ergotherapeutin und einem Erlebnispädagogen. Weitere Kursangebote am Nachmittag sind für die Kinder der ersten Klasse Angebote zur Sprachkompetenz wie „Deutsch, meine zweite Sprache“, und Spielnachmittage sowie zur Entwicklung kreativer Fähigkeiten der „KinderKunstKlub“. Das Kursangebot am Nachmittag wird für die Klassen 2 bis 4 noch deutlich erweitert. Neben den zahlreichen Bewegungsangeboten und dem Kochkurs gibt es noch den Wahlkurs „Die Faust in der Tasche“ sowie einen Trommel- und Theaterkurs. Hierbei geht es um Gewaltprävention und darum, Sozialkompetenzen zu fördern.

Prävention durch Therapie

Hinsichtlich der psychosozialen Gesundheit ihrer Schülerinnen und Schüler gilt das Hauptaugenmerk an der Ganztagsschule Franzosenkoppel dem Sozialtherapeutischen Projekt. Weil zunehmend gestresste und problembeladene Kinder beobachtet wurden, wurde dieses Projekt seit 1999 als frühzeitige präventive Maßnahme fest im Schulalltag verankert, und die Schule hat damit gute Erfahrungen gemacht. Mit Hilfe spielerischer Maßnahmen werden auffällige Kinder individuell und differenziert in ihrem Sozialverhalten trainiert. Die Instrumente des Projekts reichen von Einzel- und Gruppentherapie bis hin zur Elternberatung. Diese Maßnahmen werden mit lern- und bewegungsfördernden Aufgaben kombiniert.

Inseln der Ruhe

Auch Stressabbau und Entspannung werden für Kinder immer wichtiger und sind die Voraussetzung für konzentriertes Lernen und ein friedliches Miteinander. Daher werden den Schülerinnen und Schülern der Ganztagsschule Franzosenkoppel im Lesezimmer und im Inselraum besondere Möglichkeiten der Ruhe und Entspannung angeboten: Der Inselraum ist ausgestattet mit einer weißen Liegewiese, die Decke ist mit Tüchern abgehängt, das Licht gedämpft, leise Musik und Wassersäulen schaffen eine beruhigende und angenehme Atmosphäre. Die Kinder sind eingekuschelt in Decken und Kissen. Beim „Reisen mit dem Zauberteppich“ vermittelt die Beratungslehrerin Entspannung, Wohlbefinden und Selbstvertrauen. Ein sozial verbindliches Miteinander wird den Kindern auch hier einprägsam vermittelt – ganz im Sinne des Schulmottos: Gut zu sich selbst und den anderen sein.

Ganztagsgrundschule Franzosenkoppel, Hamburg
Schulleitung: Marion Lindner
Adresse: Franzosenkoppel 118, 22547 Hamburg
E-Mail: schule-franzosenkoppel@bsb.hamburg.de
Telefon: 040 82299130
Schüler: 275


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