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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Gebundene Ganztagsschule, 1. Preis

Heinrich-Seidel-Schule, Berlin

Für die Kinder ein Fels in der Brandung sein. Das ist der Anspruch des Kollegiums der Heinrich-Seidel-Schule im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen, einem Teil des früheren Bezirks Wedding. In der Bundeshauptstadt ist der Wedding ein für seine schwierigen sozialen Verhältnisse bekannter Stadtteil. Beengte Wohnverhältnisse und ein sozial schwaches familiäres Umfeld prägen die Lebensverhältnisse vieler Schülerinnen und Schüler. Auch der hohe Migrationsanteil im Stadtteil spiegelt sich in der Zusammensetzung der Schülerschaft wider. Mehr als 90 Prozent der Kinder an der Berliner Heinrich-Seidel-Grundschule leben in Familien mit Migrationshintergrund. Und mehr als die Hälfte der Kinder wachsen in Familien auf, deren Eltern mit schwierigen Lebensverhältnissen zu kämpfen haben.

Mit vollem Magen lernt es sich besser

Dass einige Kinder in den Unterricht kommen, ohne zu Hause gefrühstückt zu haben, war nur eine unter vielen alarmierenden Feststellungen, die Schulleiterin Cornelia Flader machen musste: „Und wenn die Kinder etwas in ihrer Frühstücksbox dabei hatten, waren es oft Süßigkeiten oder gerade einmal eine Streuselschnecke.“ Daher sorgt für einen gesunden Frühstückssnack jetzt zweimal wöchentlich der Schulkiosk. Die gesunden Vollkornbrötchen belegt mit Käse, Quark und bunter Gemüsedekoration werden von den Erzieherinnen und Erziehern der Heinrich-Seidel-Schule zubereitet und in der Pause von ihnen und den Kindern verkauft. Ein warmes Mittagessen, das in der hauseigenen Schulküche frisch zubereitet wird, bietet die Berliner Grundschule ihren Schülerinnen und Schülern täglich. Die Jüngeren aus den Klassen 1 und 2 essen gemeinsam im eigenen Gruppenraum direkt neben dem Klassenraum, die älteren Kinder in der schuleigenen Mensa. Doch eines gilt für alle Kinder: Sie erleben eine gemeinsame Esskultur in angenehmer Atmosphäre. Und wenn ein Kind Geburtstag feiert, ist sein Essenstisch schön dekoriert. Doch nicht nur essen ist wichtig, auch das Trinken kommt an der Heinrich-Seidel-Schule nicht zu kurz. Neben einem frei zugänglichen Wasserspender in der Schulmensa gibt es auch ein Schulmilchangebot. Der Schwerpunkt Ernährung ist auch über das gesunde Essens- und Trinkangebot hinaus an der Schule fest verankert. In der wöchentlichen Koch-AG lernen die Kinder viel über gesunde Ernährung. Ideen für leckere Rezepte liefert die umfangreiche Kochbuchsammlung in der großen Schulbibliothek, und auch eigene Vorschläge dürfen die Kinder einbringen. „Mit Veränderungen in den Ernährungsverhältnissen erreicht man ein verändertes Ernährungsverhalten“, erklärt Elke Blaschneck, Pädagogin und Ernährungsberaterin vom Pädagogischen Forum Mitte, die Ziele der Grundschule zum Schwerpunkt Ernährung. Die über 90 Prozent liegende Beteiligung am Schulessen gibt der Grundschule dabei Recht. Und auch die Eltern profitieren vom Wissen ihrer Kinder. „Mein Sohn erzählt zu Hause oft vom Schulessen und bringt viele Ideen mit, die ich am liebsten nachkochen soll. Auch erklärt er uns, was nicht zu einer gesunden Ernährung gehört – zu viel Zucker zum Beispiel“, berichtet Claudia Sakowski, stellvertretende Gesamtelternsprecherin.

Unterricht für Eltern

Hinter der Tür des Klassenzimmers Nr. 109 bietet sich Besuchern ein unerwartetes Bild: Nicht etwa Grundschulkinder, sondern erwachsene Frauen sind vertieft in den Sonnengruß – eine Yoga-Übung. Die Elternklasse ist ein besonderes Angebot der Berliner Heinrich-Seidel-Schule. Sie ist in Kooperation mit der Volkshochschule entstanden: In der Elternklasse lernen Mütter, deren Kinder die erste und zweite Klasse der Heinrich-Seidel-Schule besuchen. Viermal in der Woche erhalten sie Unterricht von einer Volkshochschullehrerin und einer Lehrerin der Grundschule. Sie lernen Deutsch, besuchen einen Computer-Kurs und hospitieren in den jeweiligen Klassen ihrer Kinder, um zu Hause gemeinsam den Unterrichtsstoff vertiefen zu können. Zwischendurch helfen entspannende Yoga-Übungen, das Gelernte besser aufzunehmen.

Bewegt durch den Schulalltag

Schon die Statue an der Eingangstür, die einen Seehund darstellt, der geschickt einen Ball auf seiner Schnauze balanciert, scheint an der Heinrich-Seidel-Schule Symbolcharakter zu haben: Die Schule weckt systematisch die tägliche Bewegungslust der Schülerinnen und Schülern und zeigt zugleich ihr sportbetontes Profil. Getreu dem Motto „Alle Kinder sollen Spaß an der Bewegung haben“, bietet die Heinrich-Seidel- Schule sowohl im Unterricht als auch im Freizeitbereich zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten. „Erfolgserlebnisse im Sport und in Bewegung schaffen enorme Motivation für das Lernen in allen anderen Unterrichtsfächern“, erklärt die Schulleiterin Cornelia Flader. Geschicklichkeitsaufgaben, Lauf- und Staffelspiele oder kleine Mannschaftsaufgaben bereiten den Kindern nicht nur im Sportunterricht große Freude. Auch in der Pause und am Nachmittag lockt der große Fußballplatz mit vielen Toren. Auch wer kein Ballkünstler ist, kann sich hier nach Deutschdiktaten und Matheaufgaben richtig austoben. Der Pausenhof lädt mit Klettergerüst, Reckstange, Rutsche sowie Kletter- und Balancieranlage zur ausgiebigen Bewegung ein. Und wem bis dahin noch keine Lust an Bewegung gekommen ist, der findet garantiert im täglichen Spielgeräteverleih das Richtige für sich. Tennis-, Fußball- oder Basketballtalente unter den Schülerinnen und Schülern besuchen zusätzlich am Nachmittag einen Profilkurs in ihrer Lieblingssportart. Doch nicht nur die Kinder der Berliner Grundschule sind aktiv, auch ihre Lehrerinnen und Lehrer sind sportlich. Regelmäßig spielen die Lehrkräfte in einer Schulmannschaft Volleyball. Und auch für die theoretischen Grundlagen des Kollegiums sorgt die Schule. In der Schulbibliothek finden die Lehrerinnen und Lehrer diverse Fachliteratur und Informationsmaterial der Unfallkasse Berlin. Informationsveranstaltungen der Heidelberger Ballschule und Fortbildungen an der Regionalkonferenz Sport runden eine stete Qualifizierung der Lehrkräfte ab.

Prima Klima

Eine kleine Schubserei auf dem Schulhof zwischen einem Schüler und einer Schülerin ruft die Konfliktlotsen Dastin und Onur auf den Plan. „Wir bitten euch beide in unser Konfliktlotsenzimmer, um den Streit zu schlichten“, sagen die beiden Konfliktlotsen freundlich, aber durchaus bestimmt. Das folgende Gespräch im Zimmer der Konfliktlotsen folgt festen Regeln: Jedes der streitenden Kinder darf ausreden und den Streit aus seiner Sicht schildern. Und die Konfliktlotsen versprechen, dass sie für niemanden Partei ergreifen werden, und vereinbaren gegenüber anderen Kindern Stillschweigen über den Streitfall. Anschließend möchten Dastin und Onur wissen: „Was wünschst du dir zur Lösung vom anderen?“ Sind alle mit den Wunschvorschlägen einverstanden, unterschreiben die ehemaligen Streithähne einen Friedensvertrag. Nach zwei Wochen laden Dastin und Onur den Schüler und die Schülerin erneut in das Konfliktlotsenzimmer ein und erkundigen sich, ob die Friedensvereinbarung auch wirklich eingehalten wurde. Bei der Konfliktlotsenausbildung verzeichnet die Schule einen großen Bewerbungsandrang unter den Schülerinnen und Schülern. Ab dem vierten Schuljahr müssen die Kinder sich in einem Bewerbungsbogen Gedanken machen, warum sie gern Konfliktlotse an der Heinrich-Seidel-Schule werden wollen. Ist diese erste Hürde geschafft, werden die Kinder intensiv auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet. Und schon ab Klasse 5 und 6 agieren die ausgebildeten Konfliktlotsen selbstständig. Eine Hospitation einiger Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher an einer anderen Grundschule inspirierte die Heinrich-Seidel-Schule zum Konfliktlotsenprogramm. Am Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) erhielten zwei Lehrerinnen und ein Sozialarbeiter ihre Ausbildung zu Mediatoren der Konfliktlotsenarbeit. Im Rahmen des Studientages 2008, der von der Sozialpädagogischen Bildungsstätte Jagdschloss Glienicke veranstaltet wurde, besuchten die Kolleginnen und Kollegen Fortbildungen zum Thema Soziales Lernen und holten sich einige Anregungen für die eigene Lehrtätigkeit.

Schüler und Schülerinnen beim Bewegungsspiel mit Stühlen im Klassenzimmer

„Treue ist für mich, dass ich die Zaubertricks von meinem Freund nicht verrate“, erklärt Dominik. Und Jubhylyn beschreibt ihr Verständnis von Rücksicht: „Wenn man befreundet ist und es richtig ernst meint mit der Freundschaft.“ Offene und selbstbestimmte Kommunikation lernen die Kinder aller Klassen einmal pro Woche im Unterrichtsfach Soziales Lernen. Der Unterrichtsinhalt soll die Kinder unterstützen, ein respektvolles und soziales Miteinander zu pflegen. Zum Abschluss jeder Unterrichtseinheit im Fach Soziales Lernen testen und verbessern die Kinder ihre Teamfähigkeit, denn an der Heinrich-Seidel-Schule funktioniert der altbekannte Stuhltanz ganz anders. Musik im Hintergrund lockert die Atmosphäre auf, trotzdem ist jetzt von allen Schülerinnen und Schülern der Klasse Konzentration gefragt. Die Kinder stehen im Stuhlkreis hinter ihren Stühlen und kippen diese nach hinten an. Auf Kommando bewegen sich die Kinder einen Schritt nach vorn und müssen dazu die Stuhllehne loslassen. Doch nun gilt es aufzupassen und keinen Stuhl auf den Boden fallen zu lassen, sondern den Stuhl des Vordermanns oder der Vorderfrau aufzufangen. Ist eine Runde ohne Stuhlfallen geschafft, sind alle Kinder stolz und klatschen einander begeistert Beifall.

Den schwierigen Rahmenbedingungen des Stadtteils und den mitunter problematischen Lebensverhältnissen ihrer Schülerinnen und Schüler treten alle Beteiligten der Heinrich-Seidel- Schule mit viel persönlichem Engagement, Einsatzbereitschaft und kreativen Projektideen entgegen. „Unsere Visionen setzen wir vor allem mit Kooperationspartnern um“, erzählt die Schulleiterin Cornelia Flader. Beim Sportangebot wird die Grundschule von ALBA Berlin, den Weddinger Wieseln und dem SV Empor unterstützt. Mithilfe einer einmaligen Sponsorensumme eines Energieversorgers konnte die Schule für die AG Gesunde Ernährung einen Herd anschaffen. Weitere Sponsorengelder einer Krankenkasse ermöglichen die gesunde Pausenverpflegung am Schulkiosk. Gesundheitsfördernde Ideen wie die Koch-AG oder das Konfliktlotsenprogramm kommen durch die Mitarbeit der Ernährungsberaterin Elke Blaschneck vom Pädagogischen Forum Mitte und das Engagement des Schulsozialarbeiters Willi Lange zustande. Elke Blaschneck vermittelt ihr Wissen auch an die Lehrerinnen und Lehrer, berät den Schulkiosk und führt die Ernährungs-AG. Zwei Lehrerinnen haben sich in externen Fortbildungen und Informationsveranstaltungen zu Auditorinnen der „Gesunden Schule“ ausbilden lassen. Ihr Wissen geben sie gerne an die Kolleginnen und Kollegen weiter. Ein Schulcoach des Vereins BildungsCent e.V. hat die Lehrerinnen und Lehrer in nachhaltiger gesunder Lehr- und Lernkultur beraten.

Und nicht nur die Schule hat die Vision von körperlich und seelisch gesunden Kindern, sie weckt auch in den Schülerinnen und Schülern Lust am Leben und manchmal sogar ganz konkrete Zukunftsträume: „Ich werde einmal Arzt“, erzählt ein Junge beim Besuch der Berliner Heinrich-Seidel-Schule, ein Mädchen ergänzt mit Blick auf die soeben vergangene Pressekonferenz: „Und ich Journalistin.“

Heinrich-Seidel-Schule, Berlin
Schulleitung: Cornelia Flader
Adresse: Ramlerstraße 9-10, 13355 Berlin
E-Mail: nachricht@seidel-gs.de
Telefon: 030 4677669210
Schüler: 553


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