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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Halbtagsgrundschule, 3. Preis

Insel-Grundschule, Pforzheim

Lerngänge in die Museen Pforzheims, gewagte Menschenpyramiden in der Turnhalle, große Indoor-Schachspiele im Foyer: Die Insel Grundschule schafft einen lebendigen Schulalltag und zeigt, wie kreatives Lernen aussehen kann. In den Fluren und im Treppenhaus sind zahlreiche Projektarbeiten von Schülerinnen und Schülern ausgestellt: Die Ergebnisse des Knigge-Kurses, Fotos vom Fest der Kulturen, dem Weltkindertag im Rathaus, von Wettbewerben, von der Zirkus-AG on Tour. Zum Thema Ernährung steht ein gedeckter Tisch im Treppenhaus, Skulpturen, bunte Raumteiler und Lesesäulen gliedern das Schulgebäude und zeugen von einem anregenden Schulleben.

Lachendes Mädchen

Gutes Schulklima

Die vielen ausgestellten Arbeiten lassen die Wertschätzung spüren, die den Schülerinnen und Schülern von Seiten der Lehrkräfte entgegengebracht wird. Das kommt bei den Kindern gut an: Trotz der farbenfrohen Vielfalt ist das Schulgebäude aufgeräumt und gut gepflegt. Es zeigt sich der sorgsame Umgang mit Gegenständen und Umgebung, man spürt das gute Schulklima. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Schule liegt mitten im sozialen Brennpunkt von Pforzheim. Im Stadtviertel gibt es viele Arbeitslose, aber auch viele kinderreiche Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind. Die verschiedenen Nationalitäten leben häufig auf engstem Raum zusammen, die Jugendkriminalität ist im Vergleich zu anderen Stadtteilen hoch. Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler der Insel-Grundschule lebt in Familien, die sozial benachteiligt sind. Fast Dreiviertel aller Kinder besitzen einen Migrationshintergrund, sie stammen aus über 25 Herkunftsländern, und in vielen Elternhäusern wird kein Deutsch gesprochen. Deshalb ist es eine wesentliche Zielsetzung der pädagogischen Arbeit der Schule, die Schülerinnen und Schüler in ihrer kulturellen Verschiedenheit anzunehmen und ihre sozialen und sprachlichen Kompetenzen zu stärken, um sie fit fürs Leben zu machen. Lehrerin Svenja Völz erklärt: „Für viele Kinder ist die Insel-Grundschule tatsächlich eine Insel. Sie kommen aus schwierigen Verhältnissen und finden hier Geborgenheit.“ Durch vielfältige Projekte, die weit über den Schulalltag hinausgehen und durch die Einbeziehung der Kinder in die Schulhausgestaltung und -pflege wird eine gute und lernfördernde Atmosphäre geschaffen. Die Schule nutzt das Potenzial der vielen Nationalitäten und präsentiert sich bewusst als bunte internationale Schule.

Schwerpunkt Sport- und Bewegung

„Am besten binden wir unsere Schülerinnen und Schüler durch viel Sport, Spiel und Bewegung ein“, erläutert Konrektorin Rebecca Stralendorff die pädagogische Ausrichtung der Schule. Die Insel-Grundschule ist eine Schule mit Schwerpunk Bewegung. 2006 erhielt sie die Auszeichnung „Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“ vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Günstige Voraussetzungen für Bewegungseinheiten im Unterrichtsalltag bietet das große Schulgelände mit seinen zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten wie Basketballkorb, Kletterwand, Baumstammmikado, Tischtennisplatte, Sprunggrube und Laufbahn. Für die Pausen stehen Bewegungskisten sowie eine Spiele-Tonne mit einfachen Spielgeräten zur Verfügung. Doch auch in den täglichen Unterricht werden Bewegungseinheiten integriert. Die Kinder dürfen im Unterricht aufstehen, es gibt Laufdiktate, auch Buchstaben werden besser im Laufen gelernt. Die Schule verfügte zunächst über nur eine Turnhalle. Ein Fahrradkeller wurde vor vielen Jahren zur zweiten Turnhalle umgebaut. Hier beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit Artistik, können Fußball spielen, können Judo, Hip Hop, türkischen Volkstanz und Mädchenfußball lernen.

Lernorte in und außerhalb der Schule

Um zu kulturell gebildeten Menschen heranzuwachsen, lernen die Kinder nicht nur in der Schule, sondern nehmen auch die Bildungsangebote der Stadt wahr. „Lernorte außerhalb der Schule sind für mich sehr wichtig“, erläutert Rektorin Maria Dittmann das Bildungskonzept. „Deshalb gehören für mich die Erkundung des Schmuckmuseums und der Pforzheim Galerie genauso zur ganzheitlichen Bildung wie der Umgang mit der Stadtbücherei.“
Beachtenswert ist, dass die Grundschule als Halbtagsgrundschule mit Hilfe zahlreicher Kooperationspartner ein abwechslungsreiches Nachmittagsangebot mit 25 Arbeitsgemeinschaften bereithält. Die Schule sieht sich selbst als Grundschule mit ganzheitlicher Förderung und einem zukunftsorientierten Blick weit über die Schulgrenzen hinaus. Die Lehrerinnen und Lehrer suchen bewusst den Wissens- und Ideenaustausch. Dazu zählen Fortbildungen vom Schulamt, der AOK sowie der Schulpsychologischen Beratungsstelle und Erziehungsberatungsstelle. Doch auch untereinander unterstützen sich die Lehrerinnen und Lehrer. Fachfremd unterrichtende Lehrkräfte nutzen die Stundenbilder sowie Lehrhandbücher der Bibliothek. Außerdem hospitieren sie regelmäßig bei den ausgebildeten Sportlehrerinnen und Sportlehrern. Eine schulinterne Fortbildung unter dem Motto „Die Schule bewegt sich“ brachte neue Spielideen für die tägliche Bewegungszeit. Die vielen Arbeitsgemeinschaften konnten mit Hilfe finanzieller und personeller Unterstützung durch zahlreiche außerschulische Partner realisiert werden. Rektorin Maria Dittmann legt größten Wert auf verlässliche Kooperationen. So erhielt die Schule Unterstützung vom Europäischen Sozialfond, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Pforzheim. Der Rotary-Club Pforzheim kümmert sich um die Sprachförderung für Erstklässlerinnen und Erstklässler mit Migrationshintergrund, der Rotary-Club Schlossberg um die musikalische Früherziehung.
Die Pforzheimer Zeitung finanziert den an der Schule beschäftigten Künstler und fördert die Schulbücherei. Über das türkische und das italienische Generalkonsulat konnten muttersprachliche Lehrerinnen für den Sprachunterricht gewonnen werden. Der türkische Elternverein wie auch der Kinderschutzbund, die Altstädter Kirche und die freie evangelische Kirche helfen bei der Hausaufgabenbetreuung. Die Lions-Clubs Pforzheim/Enz und Pforzheim unterstützen Sprache und Bewegung sowie sozialpräventive Zirkusarbeit. Auch der Stadtjugendring bietet spiel- und theaterpädagogische Projekte an. In Zusammenarbeit mit der Schlossparkschule wurde eine AG Tanz und Bewegungstheater angeboten. Die Jolanda Rothfuß Stiftung bietet in Kooperation mit der Jugendmusikschule vier Flöten-AGs an – um nur einen Teil der zahlreichen Kooperationspartner zu nennen. Maria Dittmann erläutert: „Mit Hilfe der Kooperationspartner gelingt es uns auch, ein engmaschiges Fördernetz für die Kinder bereitzustellen. So erhalten Kinder mit besonderem Förderbedarf, zum Beispiel im Bereich der Sprache, spezielle Angebote, aber auch hochbegabte Migrantenkinder werden in Zusammenarbeit mit der Bildungs-Consulting und durch den Lions-Club Pforzheim identifiziert und gefördert.“

Lachendes Kind am Schulpult mit einem selbstgeschriebenen Text vor sich

Loben, Lieben und Lachen

Zum erfolgreichen Lernen und friedlichen, respektvollen Zusammenleben ist soziale Kompetenz unerlässlich. Deshalb wird Sozialkompetenz an der Insel-Grundschule in vielfältiger Weise gefördert. So lernen die Kinder, Konflikte untereinander gewaltfrei zu lösen. Wem das nicht immer gelingt, der findet Hilfe bei der Schulsozialarbeiterin, die gemeinsam mit der Schulleitung einen wöchentlichen Kinder- und Elternsprechtag anbietet und dafür sorgt, dass Probleme nicht im Raum stehen bleiben, sondern zeitnah gelöst werden. Wenn nötig, führt sie auch zusammen mit Kindern und Eltern Beratungsgespräche durch. Das Thema psychosoziale Gesundheit schwingt bei allen Aktivitäten mit. Um ein für alle verbindliches moralisches Grundgerüst des Miteinanderlebens zu schaffen, hängen im Schulhaus gut sichtbar Verhaltens-Regeln aus. Die Kinder helfen einander im Unterreicht und lernen voneinander. Rebecca Stralendorff erklärt: „Wenn leistungsstarke Schülerinnen und Schüler ihre Aufgabe erledigt haben, dann binden wir sie als Expertinnen und Experten ein, die schwächeren gezielt helfen.“ Den Unterschieden im Sprachvermögen und in Lernfähigkeiten begegnen die Lehrkräfte durch den Einsatz muttersprachlicher Pädagoginnen und Pädagogen. Auch der Tandem-Unterricht federt Leistungsunterschiede ab. So wird die Klasse häufig geteilt: Es gehört zum Schulalltag, dass eine ehrenamtliche Märchenvorleserin einigen Kindern der ersten Klasse den „Froschkönig“ vorliest, während die andere Hälfte der Klasse sich gerade beim Zirkus-Unterricht ausprobiert, im Anschluss wird getauscht. Die Lehrerinnen und Lehrer engagieren sich sehr für „ihre“ Schule und stehen für die Kinder ein. Das Mobile im Lehrerzimmer mit „loben“, „lieben“ und „lachen“ ist Ausdruck für den vorherrschenden Geist an der Schule.

Inseln für Ruhe, Spiel, Arbeit und Bewegung

Damit die Kinder entsprechend ihres Entwicklungsstands bereit für das Lernen in der Schule sind, beginnt die Insel-Grundschule bereits vor der regulären Einschulung mit der Förderung. So werden in der Präventivklasse fünfjährige Kinder betreut, bei denen sich ein erhöhter Förderbedarf abzeichnet und bei denen die Einschulung zum normalen Zeitpunkt in Frage gestellt werden muss. Der Klassenraum besteht aus Ruhe-, Spiel-, Arbeits- und Bewegungsinseln. Die Angebote sind ausgerichtet auf die individuellen Fähigkeiten der Kinder in den Bereichen Sprachkompetenz, persönliche Entwicklung, Sozialkompetenz, Körperentwicklung, Fein- und Grobmotorik, Wahrnehmung und logisches Denken. Die Insel-Grundschule arbeitet mit sechs Kindertagesstätten zusammen, gemeinsam werden einschulungsvorbereitende Maßnahmen geplant und umgesetzt.

„Mu, ma, mä, do“, tönt es in der Vorbereitungsklasse 1, die Theaterpädagogin breitet die Arme aus, beugt sich vor, schaut mal neugierig, mal traurig. Um sie herum sitzen Kinder im Kreis. Sie sprechen die Silben mit und werden so Teil einer Gemeinschaft, die ohne gemeinsame Sprache auskommen muss. Die Klasse ist in der besonderen Situation, dass regelmäßig neue Kinder dazukommen, die mit ihren Eltern erst seit kurzem in Deutschland leben. Diese Kinder sind einer besonders großen emotionalen Belastung ausgesetzt, da sie ihre Heimat verlassen haben und zum Teil aus Kriegsgebieten kommen. Keines von ihnen beherrscht die deutsche Sprache. Mit diesen Kindern arbeiten häufig Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, um sie seelisch aufzufangen und sie Schritt für Schritt in die Schulgemeinschaft zu integrieren. Zum gesunden Schulalltag gehört in der Insel-Grundschule neben ausreichend Bewegung und psychosozialer Kompetenz auch Wissen über gesunde Ernährung. Das lernen die Kinder zum Beispiel beim gemeinsamen Frühstück im Klassenraum bei Vollkornbrot mit Frischkäse und Kräutern. Für die Teilnahme an einem Fitness-Cup 2009 werden Vollkornbrötchen gebacken und gleich gekostet. Und es wird untersucht, inwiefern sich selbstgemachtes von gekauftem Müsli unterscheidet. Diese Unterrichtseinheit ist Bestandteil des Projekts „Bewegung, Ernährung und Gesundheit“.

Zirkus, Kunst und Sprache

Eine besondere Rolle spielen Kunst und Zirkus in der Schule. Die Schülerinnen und Schüler eignen sich ihre Schule durch eigene Mitgestaltung an. So bemalen sie durchsichtige Wandmodule aus Glasbausteinen nach und nach blau, gelb oder rot. Damit die künstlerische Gestaltung koordiniert abläuft, betreut ein freischaffender Künstler die Schülerinnen und Schüler, finanziert wird das Projekt „Kunst und Sprache“ von der Pforzheimer Zeitung.
Dass man seine eigene Kraft gezielt einteilen und steuern muss, um an sein Ziel zu gelangen, und dass man sich auf seine Partnerin oder seinen Partner verlassen können muss, kann man gut durch Zirkusakrobatik lernen. Dafür bietet die Turnhalle beste Möglichkeiten. Die Kinder üben in Kleingruppen, jeweils vier von ihnen bauen nach einer vorgegebenen Choreographie eine Art „Menschenfigur“. Im Laufe des Schuljahrs wird eine kleine Zirkusshow auf die Beine gestellt, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Akteurinnen und Akteuren stärkt und auch außerhalb der Schule aufgeführt wird, zum Beispiel beim geselligen Nachmittag beim Verein Lebenshilfe.

Aktive Elternbeteiligung

Die Eltern pflegen eine intensive Kooperation zu Kollegium und Schulleitung. Der Förderverein der Schule arbeitet sehr aktiv und macht sich für die Schule stark. Der Elternbeirat aus Eltern vieler Nationen hilft bei der Organisation und Durchführung von Schulfesten, Integration, Projektdurchführungen und bei Feiern. Die Zusammenarbeit funktioniert nach Einschätzung der Elternbeiratsvorsitzenden Isabel Odenthal sehr gut. Sie beschreibt die Atmosphäre als sehr konstruktiv: „Was ich besonders an der Schule schätze, ist die offene und tolerante Atmosphäre der Schule, in der unsere Kinder wirkliche soziale Kompetenz erwerben.“ Ihrer Meinung nach fängt Integration nicht erst bei den Kindern an, sondern muss die Eltern mit einbeziehen. Schätzungsweise ein Viertel der Eltern jeder Klasse ist aktiv. Das vielfältige Schulangebot bewertet sie positiv: „Das Schöne ist, dass die Kinder die Eindrücke mit nach Hause nehmen und dann häufig auch die Eltern an die Hand nehmen, um ihnen etwas zu zeigen.“

Insel-Grundschule, Pforzheim
Schulleitung: Maria Dittmann
Adresse: Emma-Jaeger-Straße 25, 75175 Pforzheim
E-Mail: inselgs@stadt-pforzheim.de
Telefon: 07231 392570
Schüler: 346


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