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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Herman-Nohl-Schule, Berlin

Gemeinsam lernen und gemeinsam lachen sollen die Schülerinnen und Schüler an der Herman-Nohl-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln. Das ist keine Floskel. Und gemeint sind nicht nur die Kinder der Förderschule, sondern auch die der dazu gehörenden italienischen Europaschule und der Grundschule. Die Herman-Nohl-Schule ist eine Verbundschule. Das Zusammengehen der drei sehr unterschiedlichen Schulen ist etwas Besonderes und war nicht immer selbstverständlich. Erst langsam näherten sich die Schülerinnen und Schüler in gemeinsamen Projekten an und lernten einander kennen und vertrauen.

Drei Schulen mit einer Idee

Anfangs bestanden Berührungsängste zwischen den Schülerinnen und Schülern des Förderzentrums Lernen, der Grundschule und der Staatlichen Europaschule Italienisch SESB. Schrittweise wurden die Schulen zusammengeführt, indem systematisch schulübergreifende Projekte und Veranstaltungen eingeführt wurden. Heute gehören diese zum Schulalltag und werden von allen als Bereicherung empfunden.

Meilensteine in diesem Prozess waren Theateraufführungen und ein Zirkusprojekt mit Schülerinnen und Schülern der italienischen Schule, der Grundschule und der Förderschule. „Durch die Aktivitäten kamen sich die Schülerinnen und Schüler nahe und mussten einander bei akrobatischen Darbietungen auch in physischer Hinsicht vollkommen vertrauen. Dadurch konnten Berührungsängste abgebaut werden“, erläutert Schulleiterin Ilona Bernsdorf.

Auch die Eltern schätzen die klassenübergreifenden Projekte. Sie arbeiten ebenfalls schulübergreifend zusammen, für sie gibt es verschiedene Angebote und Projekte, um sich am Schulleben zu beteiligen. So sind im Förderverein mehr als 60 Eltern organisiert, die sich gerne in „ihre“ Schule einbringen.

Aggressionen wegtrommeln

Eins der gemeinsamen Projekte präsentiert sich unüberhörbar. Laute Trommelrhythmen schallen bis ins Foyer. Acht Jungen und zwei Mädchen geben sich alle Mühe, alles aus ihren zwischen die Beine geklemmten afrikanischen Trommeln herauszuholen. Mit lauter Stimme rufen die Schülerinnen und Schüler „Stoppt die Gewalt!“ und antworten damit einem Schwarzafrikaner in landestypischer Tracht in der Mitte des Kreises, der den Takt angibt und die Jugendlichen mit lauten Rufen und Trommelschlägen anfeuert. Nach der Percussionseinlage erklärt er: „Wie in der Buschschule in Afrika lernen wir hier, voreinander Respekt zu haben, und das mit Kopf, Hand und Mund.“

Das Trommel-Projekt ist eines von vielen Angeboten, die die Schule obligatorisch und klassenübergreifend zur Förderung der psychosozialen Gesundheit anbietet. Beim gemeinsamen Trommeln können besonders aggressive Kinder ihre Wut und ihre überschüssige Kraft kanalisieren. Und davon gibt es recht viele im Berliner Bezirk Neukölln, der als sozialer Brennpunkt mit erhöhter Kriminalität bekannt ist. Die Kinder des Förderzentrums leben zum großen Teil in schwierigen sozialen Verhältnissen. Diese Kinder benötigen in der Schule oftmals eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Landesprogramm "Gute gesunde Schule"

An der Herman-Nohl-Schule sollen die Jugendlichen stark gemacht werden, damit sie eine Chance auf ein erfülltes Leben erhalten. In den Augen von Schulleiterin Ilona Bernsdorf ist eine gesunde Lebensweise eine außerordentlich wichtige Basis dafür. Sie sieht Gesundheit als das kostbarste Gut, das die Schülerinnen und Schüler besitzen. Es ist ihr wichtig, sie dafür zu sensibilisieren, auf sich und ihren Körper und ihre psychische Gesundheit zu achten.

Seit dreieinhalb Jahren nimmt die Schule deshalb am Landesprogramm „Gute gesunde Schule“ teil. Damit ist die Verstetigung der Gesundheitsförderung eine Verpflichtung, zu der sich die Schule freiwillig entschieden hat. Gemäß dem Motto „Bildung und Gesundheit gehen Hand in Hand“ stehen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie Eltern zahlreiche Angebote in den Themenfeldern Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Suchtprophylaxe zur Verfügung. Maßnahmen der Gesundheitsförderung werden nachhaltig in den schulischen Alltag integriert und dort fest verankert. Nicht nur Jugendliche sollen stark gemacht werden, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer, damit sie die für die Schule notwendige Kraft erhalten und dabei selbst gesund bleiben.

Boxenstopp, Suppenkasper und Lernspielfactory

Stark machen ist auch das Stichwort für die fünf Schülerfirmen, die an der Schule angesiedelt sind: In Boxenstopp, Suppenkasper, IT-Medien, Radchecker und Lernspielfactory können sich die Jugendlichen der siebten bis zehnten Klassen ausprobieren und grundlegende Kompetenzen gewinnen, die sie später ins Berufsleben übertragen können. Eine weitere Schülerfirma „Flowerpower“ wird gerade aufgebaut. Die Jugendlichen haben dabei konkrete Aufgaben, müssen praktische Fragen lösen und können Erfolge erleben. „Wir bemühen uns, nach den Stärken unserer Schülerinnen und Schüler zu fragen, und die liegen in einer Förderschule meist im praktischen Bereich“, erläutert Konrektorin Stephanie Rodegra das Konzept der Schülerfirmen.

So zeigt ein Blick in die Schulküche die Schülerinnen und Schüler der Schülerfirma „Suppenkasper“, die sich um das leibliche Wohl kümmert. Es dampft aus Kochtöpfen. Die Teilzeit-Köche schnippeln, schälen und rühren emsig. Denn pünktlich zur Mittagspause müssen die Suppe, Wraps mit Gemüse und Obstspieße fertig sein für die Kids, die in der Schule zu Mittag essen.

Die Schülerfirma „Boxenstopp“ kümmert sich um den kleinen Hunger und verkauft in den Pausen gesundes Essen, z.B. Vollkornbrötchen mit Salat. Als Minicaterer machen sie alles selbst: einkaufen, Brötchen belegen und verkaufen.

Auch in den anderen Schülerfirmen können sich die Jugendlichen ausprobieren. Die „Radchecker“ reparieren Fahrräder in der Werkstatt, in der „Lernspielfactory“ entstehen Montessori-Unterrichtsmaterialien und in „IT-Medien“ wird unter anderem für eine aktuelle Website gesorgt. Neue Medien spielen an der Schule in jeder Hinsicht eine große Rolle. So ist die gesamte Schule eine kreidefreie Schule, sie ist komplett mit Whiteboards ausgestattet. Die Kinder sollen damit früh multimediale Möglichkeiten kennen- und selbstständig nutzen lernen.

Auspowern und Snoezelen

Zur Gesundheitsförderung an der Schule gehört, dass sich die Jugendlichen viel bewegen. Sie lernen in der Schule Sportarten kennen, die sie in der Freizeit weiterführen können. So gehen sie auch schon während des Sportunterrichts eigenen Interessen nach. „Die Schülerinnen und Schüler, die daran Spaß haben, können z.B. Breakdance machen“, erklärt Frau Gotter. „Und wir versuchen darüber hinaus, den Neigungen der Schülerinnen und Schüler entgegen zu kommen, beispielsweise haben wir für die Mädchen weichere Bälle angeschafft.“

In der ersten großen Pause können sich bewegungshungrige Schülerinnen und Schüler in der Turnhalle austoben und Ball oder Badminton spielen. Besonders gut angenommen sind die Wave-Boards, die die Schule vorerst ausgeliehen hat. Mit Begleitmusik wie auf der sonntäglichen Eisbahn ziehen Schülerinnen und Schüler elegant ihre Schlängelbahnen und bewältigen den Bewegungsparcours.

Zu einer gesunden und ausgewogenen Lebensweise gehört neben ausreichender Bewegung auch Ruhe zum Entspannen. Das funktioniert prima im Snoezelraum, der in eine kleine Traumwelt entführt. Alles ist weiß, Sterne funkeln und Lichtpunkte wandern über die Wände. In der Ecke blubbert eine Wassersäule. Massagebälle, leise Musik und Übungen helfen beim Entspannen. „Hier bringen wir manche Kinder zum ersten Mal dazu, sich wirklich zu spüren“, erklärt Ilona Bernsdorf leise. Alle Lehrerinnen und Lehrer der Schule verfügen über eine Zusatzausbildung und kennen sich in einfachen Massagetechniken aus. Aber auch die Pädagoginnen und Pädagogen sollen hier zur Ruhe kommen und sich selbst etwas Gutes tun. Vor dem Wochenende können sie den Raum bei Bedarf für sich selbst nutzen.

Hände gelb, grün und blau im Robinienwald

Auch im Schulhof und im Schulgarten können die Kinder aktiv sein, aber auch Ruhe finden. Erst vor kurzem wurde der Schulhof durch viele fleißige Hände umgestaltet. Jede dieser Hände ist nun durch Hammer, Meißel und Farbe verewigt im Robinienwald. Innerhalb von nur fünf Monaten ist ein liebevoller und fantasiereicher Garten entstanden. „Jeder hat eine Pflanze aus seinem Urlaub mitgebracht“, hört man von der Schulleiterin. Damit der Garten in den Sommerferien nicht vertrocknet, befindet sich unter der Erde eine Sprenkleranlage. Es gibt Geschmacksbeete mit Pflanzen, die süß, sauer und scharf schmecken werden. Daneben sind die Geruchsbeete. Der „Pfad der Sinne“ lädt zum Ausprobieren ein. Und es geht weiter mit dem Garten: Geplant ist unter anderem noch ein Insektenhotel. Der Schulhof ist nachmittags auch für die Kinder aus der Nachbarschaft geöffnet.

Netzwerkpartner und Projekte

Die Schule arbeitet eng mit verschiedenen Netzwerkpartnern zusammen. Sie bemüht sich, den Schülerinnen und Schülern der achten bis zehnten Klassen jeweils zwei oder drei Praktika zu vermitteln, damit sie in verschiedene Berufe „reinschnuppern“ können. Hierbei unterstützen das Arbeitsamt und die IHK. Langfristig wird versucht, eine Interessenvertretung aufzubauen, um den Übergang lernbehinderter Schülerinnen und Schüler in das Arbeitsleben zu erleichtern. Im Rahmen der sozialen Jugendarbeit bietet die Schulstation „Sternschnuppe“ sowie das Jugendklubhaus „Feuerwache“ nachmittags offene Jugendarbeit an. So rundet die Herman-Nohl-Schule ihr Angebot eines Schullebens mit Focus auf körperliche und psychische Gesundheit ab.

Herman-Nohl-Schule Berlin
Schulleitung: Ilona Bernsdorf
Adresse: Hannemannstraße 68, 12347 Berlin
Website: www.herman-nohl-schule-berlin.de
E-Mail: hermannohlschule@web.de
Telefon: 030 620083-30
Schülerinnen und Schüler: 398


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