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Nordstadtschule Pforzheim

Leben – Lernen – Leisten: So lautet das Leitbild der Nordstadtschule in Pforzheim. Das Kollegium hat den Anspruch, Schule als Lebensraum zu begreifen und dementsprechend auch zu gestalten. Mit großem Engagement und der Unterstützung durch starke Kooperationspartner begleitet sie ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ihrem Lebensweg und meistert gemeinsam mit ihnen die schwierigen Situationen, mit denen sie täglich konfrontiert werden.

Satellitenantennen schießen wie Pilze auf den Balkonen eintönig grauer Wohnblocks in diesem Stadtteil im Norden Pforzheims hervor. Hier liegt die Nordstadtschule, mitten im „sozialen Brennpunkt“, gekennzeichnet durch hohe Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Patchwork-Familien und eine Vielzahl von Nationalitäten auf engstem Raum. Das spürt man auch im Schulalltag. „Was die Schülerschaft angeht, herrscht bei uns eine starke Fluktuation. Häufig kommt es vor, dass ein Schüler oder eine Schülerin die Schule von einem Tag auf den anderen verlässt oder mitten im laufenden Schuljahr kurzfristig angemeldet wird, da sich einige der Familien stark nach dem Mietspiegel der einzelnen Stadtteile richten müssen“, berichtet Schulleiter Thomas Klotz. Der Großteil der Kinder kommt aus sozial benachteiligten Familien oder hat einen Migrationshintergrund. Viele Nationen sind hier unter einem Dach vereinigt, lernen und leben hier miteinander.

Durch Kooperationen ein starkes Netzwerk

Wenn Thomas Klotz an seine Schülerinnen und Schüler denkt, fällt ihm unwillkürlich das Bild eines schweren, mit Steinen beladenen Rucksacks ein: „Viele Kinder tragen diesen schweren Ballast bereits mit sich, wenn sie zu uns kommen. Wir versuchen, Stein für Stein aus dem Rucksack zu nehmen und ihn im Laufe der Schulzeit immer leichter werden zu lassen, so dass die Jugendlichen am Ende möglichst unbeschwert auf eigenen Füßen stehen können.“

Die Nordstadtschule versteht sich als Schule mit besonderen pädagogischen und erzieherischen Aufgaben. Durch ihre Angebote, die weit über den regulären Unterricht hinausgehen, versucht das Lehrerkollegium, den Schülerinnen und Schülern eine möglichst individuelle Förderung zu ermöglichen. Um eine optimale Betreuung und Unterstützung der Jugendlichen zu gewährleisten, wird die Hauptschule von vielen außerschulischen Kooperationspartnern unterstützt. Seit Jahren pflegt sie ein enges Netzwerk mit verschiedenen Einrichtungen Pforzheims wie dem Sportkreis, dem Stadtjugendring, dem Bürgerverein Nordstadt e.V., der Arbeitsagentur, hat einen runden Tisch bei der Polizei und kooperiert mit verschiedenen Beratungsstellen. Mit einer personellen Kapazität von 16 Ehrenamtlichen werden die Schülerinnen und Schüler insgesamt 36 Stunden zusätzlich pro Woche betreut.

Mitglieder des Bürgervereins helfen täglich bei der Zubereitung des Schülerfrühstücks. Der Stadtjugendring Pforzheim steht der Schule beratend zur Seite und führt mit den Jugendlichen Sozialtrainings durch, in deren Rahmen Workshops zur Entwicklung sozialer Kompetenzen und die Erarbeitung von Soft-Skills im außerschulischen Unterricht stattfinden. Durch die Unterstützung dieser Kooperationspartner gelingt es, ein engmaschiges, individuell abgestimmtes Fördernetz für die Kinder zu knüpfen. Andrea Claudia Stöber, Mutter und Elternvertreterin, ist von dieser Herangehensweise begeistert: „Die Zusammenarbeit mit externen Partnern wie der Polizei ist wichtig und effektiv, da über sie die Inhalte unseren Kindern wesentlich kompetenter vermittelt werden können, als wir Eltern dazu in der Lage wären. Außerdem haben Externe zusätzlich eine nachhaltigere Wirkung auf die Kinder und Jugendlichen.“

Gesunder Start in den Tag

Morgens um halb acht: Der 13-jährige Mirko hat sich mit viel Sorgfalt eine Schale Müsli eingefüllt und die bereits fertig geschnittenen Apfelstücke hinzugefügt, als ein Platz an einem der liebevoll gedeckten Tische frei wird. Er setzt sich – und die anderen Jugendlichen wünschen ihm einen guten Appetit. Viele der Kinder kommen ohne Frühstück in den Unterricht, knurrende Mägen und Konzentrationsschwäche sind die Folge. Um dem entgegen zu wirken, hat die Schule in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Nordstadt e.V. ein Frühstücksangebot initiiert, an dem alle Kinder und das gesamte Lehrerkollegium teilnehmen können. Im bunt geschmückten Frühstücksraum können die Schülerinnen und Schüler für einen Betrag von 50 Cent frühstücken. Mit Müsli, frischem Obst, Rohkost, geschmierten Broten, Milch und Kakao erhalten sie hier in einer familiären Atmosphäre ein gesundes, abwechslungsreiches und reichhaltiges Frühstück, um den Schultag gestärkt zu beginnen. An den Türen des Frühstücksraums regeln selbstgemalte Verkehrsschilder (Einfahrt geradeaus und Einfahrt verboten) den „Betrieb“. An diesem gemeinsamen Frühstück nimmt auch ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer teil.

Auf gesunde Ernährung wird an der Nordstadtschule sehr viel Wert gelegt. Ob während der Ausbildung zum Fitness-Coach, bei der die Kinder und Jugendlichen alles rund um das Thema Ernährung und Bewegung erfahren oder beim gemeinsamen Kochen mit Profis in der Großküche, wo sie lernen, preiswertes, aber gesundes Essen zuzubereiten. „Mein Sohn bringt oft Rezepte mit nach Hause und will das Gelernte nachkochen. Die Rezepte sind wirklich lecker und dazu auch noch günstig“, erzählt Susanne Kalytta, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende.

Lebensbegleiter

Viele der Kinder und Jugendlichen kommen aus schwierigen Familienverhältnissen und benötigen verlässliche Ansprechpartner an ihrer Seite, denen sie vertrauen können. Eine Schulsozialarbeiterin und zwei Sozialpädagogen schenken den Kindern ein offenes Ohr und stehen ihnen für Einzelfallhilfe und Beratung zur Verfügung. Als Ergänzung zu den Eltern begleiten ehrenamtliche „Lernpatinnen und Lernpaten“ die Jugendlichen in ihrem Lernprozess und unterstützen sie in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung. Auf dem Plan stehen Hilfe für Bewerbungen, Lesetraining, Schreibübungen und vieles mehr. Dabei entscheiden die Jugendlichen mit, was sie mit ihrem Lernpaten oder ihrer Lernpatin erarbeiten wollen. Um sie so gut wie möglich für ihren weiteren Lebensweg vorzubereiten und für ihre persönliche Zukunft zu stärken, gibt es kontinuierliche, jahrgangsspezifische Berufsbegleitungsmaßnahmen: Ob Sozialtrainings, Informationsveranstaltungen zu Berufsmöglichkeiten, das Finden von Berufsinteressen oder Berufspraktika für alle.

Die Lehrerinnen und Lehrer nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil und die Gesamtlehrerkonferenzen arbeiten mit Workshops zu speziellen Themen wie „Online-Diagnose“ oder „Gefühle.“ Zudem gibt es ein eigenes „Schulentwicklungsteam“, in dem aus strategischen Überlegungen zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung der Schülerinnen und Schüler konkrete Maßnahmen abgeleitet werden. „Mit Maßnahmen wie diesen versuchen wir, das Kollegium möglichst nah an den Themen, die die Jugendlichen betreffen, fortzubilden“, betont Klotz. Aber auch den Eltern steht die Schule zur Seite: Lehrkräfte machen Hausbesuche und nehmen gemeinsam mit den Eltern Termine bei Einrichtungen und Ämtern wahr. Als integrative Maßnahme hat die Schule nun erfolgreich eine Deutsch-Klasse für ausländische Mütter ins Leben gerufen.

Bewegter Schulalltag

Davon, dass Bewegung im Schulalltag der Nordstadtschule eine große Rolle spielt, zeugen nicht nur eine Kletterwand auf dem Schulhof, mehrere Kicker auf den Fluren oder das Trampolin, das im Eingangsbereich an der Wand gelehnt steht. Zur „Bewegten Schule“ gehören auch mindestens 200 Minuten Bewegung pro Woche, ob als bewegter Unterricht, durch ergänzende Bewegungsangebote wie Pausensport oder Kooperationsmaßnahmen mit örtlichen Vereinen für das Nachmittagsangebot. Mehrmals täglich gibt es für alle Klassen aktive Bewegungspausen. Die Lehrerinnen und Lehrer können für ihren Unterricht zu „Bewegungsanimateuren“ ausgebildete Schülerinnen und Schüler buchen, die in die Klassen kommen und mit den Jugendlichen Bewegungsübungen durchführen. Alternativ können die Lehrkräfte die Bewegungspausen mit Bewegungskarten und weiteren Materialien selbst durchführen und individuell gestalten. Durch den Sportkreis Pforzheim als Kooperationspartner erhält die Schule zusätzlich zum regulären Sportunterricht ein ergänzendes Sportangebot von neun Stunden.

Persönlichkeit finden - Persönlichkeit stärken

Die Nordstadtschule setzt sich ein für die persönliche Entwicklung und Ich-Stärkung der Kinder und Jugendlichen. Beim Darstellenden Spiel schlüpfen sie in unterschiedliche Rollen, stellen fiktive Bewerbungsgespräche nach, setzen Szenen aus dem Unterricht oder dem Alltag um. Dabei lernen sie, sich in verschiedene Rollen zu versetzen, neue Blickwinkel zu entdecken und persönliche Ansichten und Meinungen herauszubilden. Auf spielerische Art werden sie in ihrer sozialen Kompetenz gestärkt.

Regelmäßig wird der Talentwettbewerb die „Suche nach dem Supertalent“ ausgeschrieben, bei dem Schülerinnen und Schüler ihre Hobbys und Talente präsentieren können. Dabei kommen oft ungeahnte Fähigkeiten ans Licht, die im Schülercafé „Sunkiss“ öffentlich aufgeführt werden. Das Schülercafé wurde von den Jugendlichen selbst gestaltet und bietet den Heranwachsenden eine Rückzugsmöglichkeit, die Gelegenheit, sich mit Freunden zu treffen, eigene Musik zu hören, wechselnde selbst zubereitete Snacks zu sich zu nehmen oder Gesellschaftsspiele zu spielen. Kinder, die zu Hause kein Mittagessen bekommen, erhalten hier ein warmes Essen.

Konflikte gemeinsam lösen

Um Schülerinnen und Schüler bei der Lösung von Konflikten zu unterstützen, gibt es die Streitschlichterinnen und Streitschlichter. Sie absolvieren eine eigene Ausbildung mit abschließender Prüfung. In regelmäßigen Sprechstunden, die über einen Flyer in den Klassen ausliegen und in die die Interessenten ihre Termine eintragen können, stehen sie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern als Ansprechpersonen zur Seite. An eigens entworfenen T-Shirts mit eigenem Logo sind die Streitschlichterinnen und Streitschlichter für alle sichtbar zu erkennen. Ihren Flyer haben sie ebenfalls selbst kreiert. Am Ende eines jeden Streitgesprächs steht ein „Friedensvertrag“, den die Kontrahenten unterzeichnen müssen.

Probleme innerhalb des Klassenverbunds werden an der Nordstadtschule gemeinsam gelöst. Die Schülerinnen und Schüler schreiben die jeweiligen Anliegen und Konflikte, die sie beschäftigen, in ein Buch, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Meist sind es Themen wie Mobbing oder Streit mit einem Mitschüler oder einer Mitschülerin. In einer Klassenratssitzung wird das Buch herumgereicht und besprochen, welche der eingetragenen Probleme noch aktuell sind, um sie dann gemeinsam zu besprechen. Die Jugendlichen lernen dabei, ihre Konflikte zu verbalisieren. Mit einem Ball erteilen sie sich gegenseitig das Wort. Dadurch sollen sie die Möglichkeit erhalten, sich selbst zu erklären und den Standpunkt des Gegenübers anzuhören.

Eine Sozialarbeiterin vom Jugendamt steht allen Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern mit einem umfassenden Sprechstundenangebot zur Verfügung. Die Sprechstunden sind am schwarzen Brett ausgehängt. Dort hängen auch aktuelle Flyer, Plakate und sonstige Informationen rund um das Thema Sozialarbeit. Direkt unter dem Motto, das an der Nordstadtschule Pforzheim Tag für Tag mit Leben gefüllt wird: Leben – Lernen – Leisten.

Nordstadtschule Pforzheim
Schulleitung: Thomas Klotz
Adresse: Brettener Straße 19, 75177 Pforzheim
Website: www.nordstadtschule.de
E-Mail: thomas.klotz@stadt-pforzheim.de
Telefon: 07231 392345
Schülerinnen und Schüler: 215


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